Deutscher Gewerkschaftsbund

17.06.2020

Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt: Gewerkschaften fordern schnelle Initiative

DGB & IG Metall legen Politik & Arbeitgebern Konzeptpapier aus Expertinnenbefragung vor

Schon nach den aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur können im Sommer 430 Ausbildungsstellen im Kreis Paderborn verloren gehen. „Und die Tendenz geht immer weiter nach unten. Schon jetzt sind es 20 Prozent weniger als im letzten Jahr“, sagt die DGB-Regionsgeschäftsführerin Anke Unger. Dieser Ausbildungsplatzverlust droht auch an die industrielle Substanz zu gehen: „Für den industriellen Kern unseres entwickelten Technologiestandorts ist qualitativ hochwertige Ausbildung ein zentraler Faktor. Hier sehen wir aktuell, dass circa 100 Top-Ausbildungsplätze auf der Kippe stehen“, moniert Konrad Jablonski, Geschäftsführer und Kassierer der IG Metall Paderborn. Gerade um den angeschlagenen Automobilzulieferer und Stahlproduzenten Benteler macht sich Konrad Jablonski Sorgen. Das dortige Ausbildungszentrum drohe nach derzeitigem Stand schmerzhafte Einbußen hinzunehmen. Statt mit über 80 Auszubildenden wird derzeit mit weniger als 20 geplant.

In einem Konzeptpapier fordern DGB und IG Metall daher, die Bundes- und Landesmittel zur Ausbildungsplatz-Sicherung aus dem Konjunkturpaket schnell und effektiv zu nutzen. Dabei müsse von Auftrags- und Verbundausbildung stärker Gebrauch gemacht werden. „Konkret dürfen wir die größten Potenziale nicht ungenutzt lassen! Deshalb müssen die regierende Politik und die Arbeitgeber alles in Bewegung setzen, um mindestens 80 hoch qualitative und tariflich geregelte Ausbildungsplätze bei Benteler gerade in diesem Jahr zu sichern“, fordert Carmelo Zanghi.

Das gewerkschaftliche Konzeptpapier ist Ergebnis des Online-Expertinnen-Hearings am Donnerstag, 4. Juni, an dem – neben Betriebsrät/innen, Jugendvertreter/innen und Interessierten – die neue WSI-Direktorin Prof. Dr. Bettina Kohlrausch (Uni Paderborn), die Paderborner Arbeitgeberverbandsgeschäftsführerin Melanie Cramer, Andrea Wesemann von der Bundesagentur für Arbeit und DGB-Regionsgeschäftsführerin Anke Unger teilnahmen.


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